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Privatisierung der Knäste

Die Zuschüsse für die psychosoziale Betreuung der Abschiebehäftlinge durch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Büren wurden gestrichen. Die Betreuung soll nun durch die private Firma Kote & Mrosek (European Homecare EHC)  gewährleistet werden. EHC ist einer der größten Dienstleister auf den Flüchtlingsmarkt.

Wenn Du alte Immobilien hast, kein Problem, sie wandeln sie in Asylunterkünften um. Brauchst Du eine Rückkehreinrichtung? Du bekommst sie bei EHC. Lagerst Du abgelaufene Lebensmittel? EHC verpackt auch Fresspakete für Flüchtlinge. Die Infos auf deren Homepage eu-homecare.com sind also mit Vorsicht zu genießen...

Das Unternehmen betreibt z.B. die Erstaufnahmeeinrichtung in Chemnitz. Die Aufnahme und Unterbringung, die Versorgung, Verpflegung und soziale Betreuung von bis zu 750 Personen wurde von Beginn an durch die European Homecare wahrgenommen. Bei no-racism.net (EHC ist auch in Österreich aktiv) ist eine Themenseite zu EHC eingerichtet worden. Das Unternehmen hat übrigens auch die Seite asyl.de installiert.

EHC ist nach Kötter security (koetter.de)  bereits die zweite private Firma im Knast in Büren. Kötter stellt ca. 50% des Wachpersonals. Die Firma, die auch in Abschiebekomplex Ingelheim einen Teil des Personals stellt,  möchte sich auf diesem Gebiet profilieren und hat dazu einen sog. Sicherheitsbeirat gegründet, der die öffentlich-private Kooperation managen soll. Darin sind so illustre Persönlichkeiten wie General a.D. Ulrich K. Wegener, Gründer der Antiterroreinheit GSG 9, Hubertus Grützner, ehem. Bundesvorsitzender des Bundesgrenzschutzverbandes und Dr. Peter Frisch, ehem. Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz vertreten.

Privatisierungen im Asylbereich: In ganz Europa wird die Flüchtlingsbetreuung ausgelagert
Die Orte, von denen hier die Rede ist, haben viele Namen. In England: Detention Center (Festhaltezentrum), Waiting oder Removal Center. In Belgien Centre ferme pour etrangers (geschlossenes Zentrum für Fremde). In Spanien sagt man Centro de internamiento para extranjeros (Internierungszentrum für Ausländer), in Frankreich Aufnahmezentrum: Centre d'acceuil. In Italien gibt es das Centro di Permanenza Temporanea (Zentrum für vorübergehenden Aufenthalt). In Deutschland heißen diese Orte: Erstaufnahmeeinrichtung, Wartelager, Abschiebelager oder Ausreisezentrum.
Effizient für das Gastland
Europaweit stehen Privatisierungen im Asylbereich auf der Tagesordnung. Bei allen Unterschieden gibt es eine Gemeinsamkeit: die Flüchtlingsbetreuung soll – so heißt es von offizieller Seite – "professionell und effizient" vonstatten gehen. Vielfach nützt die Effizienz jedoch mehr den Gastländern als den Schutzsuchenden. Die Privatisierungsidee kommt aus dem angelsächsischen Raum. In einer aktuellen Studie über die Privatisierung von Gefängnissen und "Immigration Detention Centers (IDC)" in Großbritannien zieht die staatliche "Competition Commission Organisation" nüchtern Resümee über den Erfolg der bisherigen Privatisierungen. Trauriger Höhepunkt der Privatisierungsbemühungen: nur drei Monate nach der Fertigstellung brach in einem IDC Feuer aus, die Folgen verheerend - weil bei den Sprinkleranlagen gespart wurde.
(Die Furche, im Feb. 03, Angela Helga Huemer)

Dazu ein Bericht auf indymedia, der vor allem die Geschäfte von sodhexo beschreibt. Die (Teil-)Privatisierung von Knästen in anderen Ländern zeigt oftmals eine höhere Ausbruchtsrate, Selbstmordrate und Übergriffsrate von seiten des Personals sowie insgesamt deutlich schlechtere Bedingungen für die Häftlinge. Aber lest selbst... Je mehr Eingesperrte - desto mehr Gewinn

Außerdem: Privatisierungen liegen im Trend. Zum Public-Private-Partnership im Knastbereich ein Artikel aus der jw-Sonderbeilage

Außerdem bei indymedia: ein dreiteiliger Bericht über die Knast-Industrie, sehr ausführlich und informativ:

Knast-Industrie Teil 1

Knast-Industrie Teil 2

Knast-Industrie Teil3

Streit um Bewachung von Häftlingen in Büren / Land vergibt Millionen-Auftrag an Securitas - Mitbewerber Kötter legt Widerspruch ein [Artikel lesen]

Staat und Sicherheitswirtschaft Gemeinsam gegen das Gewaltmonopol der Bundesrepublik Von Thomas Brunst, SAFERCITY.DE (Dez. 2004)

res publica und die Kampagne gegen Abschiebung, Abschiebelager und Abschiebeknäste hat eine Aktion gegen den Privaten Sicherheitsdienst im Ausreisezentrum Fürth, die Fa. Arndt, gestartet. Lest die Pressemitteilung von res publica und die Internetseite der Firma Arndt

Auf den Seiten von a.r.a.p. (against repression against prisons) sind umfangreiche Infos auch über die Privatisierung von Knästen gesammelt. 

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